Montessori-Pädagogik

Maria Montessoris "Pädagogik vom Kinde aus" ist nun bereits fast 100 Jahre alt - und noch immer genauso aktuell wie zu Beginn des reformpädagogischen Zeitalters.

Die Philosophie der Montessori Pädagogik ist, Kinder in ihrer Persönlichkeit zu respektieren, ihnen achtsam zu begegnen und sie auf ihrem Entwicklungsweg liebevoll und hilfsbereit zu begleiten. Unter diesen Gesichtspunkten ist es möglich, Kindern eine "Vorbereitete Umgebung" zu schaffen, in der sie nach ihren ganz persönlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen tätig werden können, eine Tätigkeit, die Grundvoraussetzung ist für Entwicklung und Lernen.

Leitideen:

  • Kinder wollen lernen und „echte“ Arbeiten machen
  • Kinder sind schöpferisch und wollen selbst tätig sein
  • Kinder sind fähig, Entscheidungen zu treffen und mit zu entscheiden
  • Erwachsene haben Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder und unterstützen sie
  • Erwachsene sind Vorbilder- immer!
  • Erwachsene ermöglichen eine anregungsreiche, entspannte, gefahrenfreie und das entdeckende Lernen fördernde Umgebung
  • Es ist normal verschieden zu sein- individuelle Förderung und gemeinsames Lernen von Kindern mit Beeinträchtigung bis hin zur Hochbegabung

Grundgedanken der Montessori-Pädagogik

Maria Montessori hat mit ihrer Pädagogik, welche kindliche Eigenaktivität und selbstständiges  Lernen ins Zentrum stellt, eine einflussreiche internationale Bewegung ins Leben gerufen. In den letzten 100 Jahren entstanden auf allen Kontinenten Schulen und Lerngemeinschaften für Kinder von 0-18 Jahren und Ausbildungsstätten für Lehrkräfte.
1896 promovierte Maria Montessori zum Doktor der Medizin und wird somit zur ersten Ärztin Italiens. Das zusätzliche Studium der Anthropologie, Pädagogik, Psychologie und Philosophie, vor allem aber ihre genaue Beobachtung der Kinder bilden die Grundlage ihres revolutionären, universellen Erziehungskonzeptes. Die Montessori-Pädagogik ermöglicht dem Kind die volle Entfaltung seiner Persönlichkeit und ein seiner Entwicklung angepasstes Lernen.

"Hilf mir, es selbst zu tun!" 

Diese Bitte eines Kindes wurde zum Leitmotiv Maria Montessoris Erziehungskonzeptes. Aus der genauen Beobachtung von Kindern zog die Ärztin und Pädagogin wichtige Schlüsse: Kinder können und wollen lernen, selbständig und ohne Zwang.
Voraussetzungen sind entwicklungsgemäße Materialien und die Freiheit, sie ihrem Entwicklungsstand entsprechend zu wählen. Die Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich dabei als Beobachter und Helfer.
Montessori hat eine Pädagogik entwickelt, die nicht nur der Wissensvermittlung dient, sondern das Kind in seiner Individualität akzeptiert und seinen eigenen Entfaltungskräften Raum gibt. Nach der Pädagogik Maria Montessoris arbeiten Kinderhäuser und Schulen weltweit erfolgreich, indem jedes Kind begleitet und gefördert wird. So erfährt das Kind den schulischen Lernprozess ohne die sonst oft üblichen Misserfolgs- und Konkurrenzerlebnisse.


Grundsätze zur Montessori-Pädagogik:

… und deren aktive Förderung durch Selbstständigkeit ist das Ziel aller Erziehungsbemühungen Montessoris. Sie fordert für das Kind Raum und Zeit um sich frei zu entwickeln, denn nur aus dem Gefühl der eigenen Unabhängigkeit geht menschliche Würde und wahre Freiheit hervor. .
…ermöglicht dem Kind Bewegungsfreiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Sie ist klar strukturiert und voller Lernangebote, die das Kind zu sinnvollem Tun auffordern. Die Vorbereitete Umgebung ist ganz auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten und unterscheidet sich im Angebot je nach Altersgruppe (0-3 Jahre, 3-6 Jahre, 6-12 Jahre, 12-18 Jahre).
… ist integraler Bestandteil der Vorbereiteten Umgebung. Es umfasst die Bereiche Übungen des praktischen Lebens, Sinnesbildung, Mathematik, Sprache und kosmische Erziehung. Es ist so konzipiert, dass die Kinder sich nach einer Einführung durch die Lehrperson selbstständig Wissen und Fertigkeiten erarbeiten können.
Das Material bewirkt durch seine innere Ordnung und Isolierung der Schwierigkeiten ein Ordnen des Geistes und ein Erkennen von Zusammenhängen. Es ermöglicht dieses konzentrierte Sammeln, das Montessori die "Polarisation der Aufmerksamkeit" genannt hat.
…ist ein Zustand tiefer Konzentration, welcher durch die Arbeit mit dem Montessori-Material hervorgerufen wird. Geht ein Kind vollständig in seinem Handeln auf, hat dies positive Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung seiner Persönlichkeit. Es wird zufrieden und ausgeglichen, fühlt sich wohl in der Gruppe und eignet sich mit Freude neues Wissen an. Befindet sich ein Kind in dieser intensiven Konzentrationsphase, gilt es dieses nicht darin zu unterbrechen und es vor Störungen zu schützen, so dass der Selbstaufbau ungestört von statten gehen kann.

… sind Zeiträume besonderer Empfänglichkeit und innerer Bereitschaft, einen bestimmten Lern- oder Entwicklungsschritt zu vollziehen. So zeigen Kinder in der Regel im Alter zwischen 4 und 5 beispielsweise ein besonderes Interesse für Buchstaben und Zahlen. Dieses Phänomen, das die Neurobiologie heute "Fenster" nennt, hat Maria Montessori bereits zu Beginn des letzten Jahrhunderts entdeckt. Das Wissen um die sensiblen Phasen birgt eine große Chance: Das richtige Angebot zur rechten Zeit garantiert freudvolles, leichtes, schnelles als auch tiefgreifendes Lernen. Daher müssen diese sensiblen Phasen erkannt und genutzt werden, denn zu keinem anderen Zeitpunkt lernt ein Kind so mühelos und motiviert.

…ist die praktische pädagogische Konsequenz aus Montessoris Grundgedanken. Die Kinder bestimmen selbst, was und wo sie arbeiten wollen, mit wem und wie lange sie arbeiten wollen. Sie üben dabei das richtige Einschätzen der eigenen Fähigkeiten, Ausdauer und Selbstdisziplin, das Setzen eigener Ziele, Entscheidungskraft und Kooperationsfähigkeit. Sie übernehmen Verantwortung für das eigene Lernen. Freiarbeit ist jedoch keinesfalls mit „laisser faire“ gleichzusetzen, oberstes Ziel ist immer, dem Kind zur Konzentration zu verhelfen. Dabei bekommt jedes Kind soviel Freiheit zugestanden, mit der es umgehen kann und die Grenzen der anderen nicht überschreitet. Diese Freiheit ist demnach keine unbegrenzte, sondern ein Freiraum innerhalb klarer Rahmenbedingungen, die soziales Zusammenleben erst möglich machen. Freiheit im Sinne von selbstständigem, verantwortungsbewusstem Handeln, setzt Montessori gleich mit "Meister seiner selbst" zu sein. Selbstdisziplin zu entwickeln und Verantwortung für die eigenen Handlungen genauso zu übernehmen wie die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu erkennen und zu achten, ist eines der Ziele der Montessori-Pädagogik.

…hat die Rolle eines Begleiters, der dem Kind den Weg zur Selbstständigkeit ebnet, gemäß dem Leitsatz „Hilf mir, es selbst zu tun“. Der Prozess des Lernens und der Erkenntnis geschieht im Kind. Der Lernbegleiter führt das Kind zum Lernen, um sich dann zurückzunehmen und letztlich als Beobachter den kindlichen Erkenntnisprozess zu begleiten.